Das Kind – kleingebliebener Anteil im Erwachsenen

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Das Kind – kleingebliebener Anteil im Erwachsenen

Bild: Theresa Hültner, Acryl auf Leinwand, 140×100 cm – Foto vom Bild: Christoph Daab

Bildinterpretation aus dem Projekt „Malerei & Wortkunst in traumhafter Symbiose“

Tief verborgen unter zahllosen Schichten, Rollen und Masken von Vernunft und Erwachsen-heit lebe ich, das Kind in dir. Kannst du mich spüren? Geschützt durch einen wolkenweichen Raum, in dem die Zeit stehengeblieben ist, bin ich weiterhin das kleine, empfindsame Wesen, das du einmal warst und das du dort immer sein wirst, solange du lebst. Egal was du tust, welche Wege du noch nimmst und wie viel an Jahren du mittlerweile auch zugelegt hast, ein Teil von dir ist klein, verspielt, empfindsam und bedürftig geblieben. Und dieser Teil bin ich.

Es wurde mir nicht immer leicht gemacht, aber ich habe überlebt. Die Erwachsenenwelt ist so nüchtern und ihre grauen, harten Räume nicht wirklich einladend für mich. Es sind ja auch viel zu wenig Spielräume da! Auch ist kaum Zeit, mich selbst und meine innersten, urkind-klichen Regungen zu spüren, die ja noch immer in dir leben. Wo sind all die zauberbunten Farben, die mein Herz immer so weit werden lassen? Wo all die Blumen und Krabbelkäfer, in deren Beobachtung ich mich selbst so köstlich vergessen könnte? Also langweile ich mich. Warum muss alles in deiner Welt immer einen Sinn ergeben und nützlich sein? Ich liebe es doch so sehr, ins Blaue hinein zu spielen und mich dabei zu verlieren, einfach so, ohne Maß und Ziel. Wie oft vermisse ich diese süße, luftige Leichtigkeit, die wir Kinder so lieben, und das Gefühl, einfach nur da sein zu dürfen, ohne irgendetwas tun oder leisten zu müssen. Erinnerst du dich noch daran, wie unbeschreiblich gut sich das anfühlt?

Doch ich bin geduldig mit dir, denn meine Liebe stellt keine Bedingungen. Ich warte hier in meinem kleinen Raum und lasse dich meine Regungen fühlen, so gut ich kann. Auch wenn du sie nicht immer zu dir an die Oberfläche hindurch lässt. Du fühlst dennoch zuweilen irgendwo ganz tief in dir drin, dass etwas fehlt, nicht wahr?

Sieh nur in meine Augen, diese fragenden, erwartungsvollen Kinderaugen, die sich an der Schönheit der Erde nicht sattsehen können. In der Klarheit meiner Augen spiegelt sich dein Leben in einem neuen, ganz besonderen Licht. Und schau, hier in meiner Hand halte ich zögernd mein größtes Geschenk an die Welt, die tiefrote Blume der Liebe. Wird sie angenom-men? Werde ich gesehen? Darf sie wachsen und gedeihen? Darf ich tanzen, lachen, singen und meine kindliche Liebe an die ganze Welt verschenken, frei von Vorbehalt und Urteil? Oder muss ich dein restliches Leben lang in Warteposition sitzen, still und brav auf meinem Bänklein ein wenig abseits des großen Spiels verharren?

Wie kann ich dir nur zeigen, dass ich immer noch da bin und deine Hingabe und Aufmerk-samkeit brauche? Spür genau hin: In all jenen Momenten, da du sie mir schenkst, fühlst du dich glücklich und auf einmal so seltsam leicht und… vollständig. Oh ja!

Also spiele mit mir und lass mich spielen. Nimm dir Zeit, die Welt manchmal auch mit meinen Augen zu betrachten und dir Dinge auszumalen, wie nur ein Kind es kann. Klink dich aus. Träum dich davon. Lass deine Vernunft sausen und flieg mit den Sternen. Hol dir Kraft und Sinn aus meiner Welt, dann kehr zurück in die deine und erlebe, wie Wunder wahr werden.

www.wortmalereien.com

Malerei & Wortkunst in traumhafter Symbiose

Theresa Hültner und Andrea E. Maier

By | 2017-11-11T11:59:56+00:00 November 2nd, 2017|Bewusst leben, Intuition & Echtheit, Projekte / Events, Sehnsucht|2 Comments

2 Kommentare

  1. Mischa 2. November 2017 um 22:45 Uhr- Antworten

    Liebe Andrea,
    es ist schön, dass Du den Blick lenkst auf dieses sanfte Wesen, das so oft schon das Gefühl des Alleinseins aufgelöst hat, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen habe: Mein inneres Kind! Wie oft stand es ruhig neben mir, wenn ich am Boden liegend die kleine Blume im Sucher meiner Kamera scharfstellte, geduldig wartend und meine Position lustig fand, weil ein Erwachsener doch nicht auf dem Boden liegen soll. Ich glaube, wir haben oft miteinander gelacht und mein Geist mich glauben machen wollte, es sei meine geistige Führung, die da mit mir Freude empfand. Ich darf nun mit Deiner Wortmalerei die Aufmerksamkeit wiederentdecken und respektieren, dass mein inneres Kind mein engster Vertrauter ist und vom Fluss des Lebens doch so viel mehr weiß als ich, der von der äußeren Erfahrung ein wenig blind geworden ist für diese intimen Weisheiten, die mir hier wieder bewusst werden. Ich danke Dir für die Öffnung dieses Raumes des inneren Glücks und der bedingungslosen Liebe zu einem wunderbaren Teil meines Wesens. Mit einem lieben Gruß, Mischa.

    • Andrea Maier 3. November 2017 um 22:04 Uhr- Antworten

      Lieber Mischa, von Herzen danke für Deine Zeilen, die eine lebendige, zärtliche Verbindung zum inneren Kind nicht besser wiedergeben könnten!

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