Manchmal bedeutet Frieden,

endlich das längst fällige Wort zu erheben.

Und manchmal, zu verstummen.

Nichts mehr zu erklären. Aufzuhören mit Argumentieren.

Schweigen.

 

Manchmal bedeutet Frieden,

die verlogene und scheinbare Ruhe zu stören

und die Urgewalten des heiligen Zorns zu entfesseln.

Die Wahrheit herauszuschreien, die keiner hören will

und das Chaos auf den Plan zu rufen,

auf dass es die Dinge neu ordne.

 

Manchmal bedeutet Frieden, still zu sein

und zu verstehen, dass es vorbei ist.

Leise die Türe hinter sich zu schließen und fortzugehen,

ohne sich noch einmal umzudrehen.

Manchmal bedeutet Frieden, allein zurückzubleiben

und das auszuhalten.

 

Manchmal bedeutet Frieden, sich nicht mehr zu verbiegen,

auch wenn dadurch erst einmal Unfrieden entsteht.

Die anderen wütend, enttäuscht, fordernd

und zornig an die Tür klopfen zu lassen,

weil man weiß, irgendwann werden sie damit aufhören.

Die Zornigen verstehen vielleicht später einmal,

dass dieses Schweigen ein sanftes Geschenk des Friedens war.

 

Manchmal bedeutet Frieden, etwas zu verändern.

Neue Wege zu gehen, auch ohne die Garantie auf Sicherheit und Erfolg.

Manchmal bedeutet es, jemanden oder etwas zu lassen,

eine Situation zu akzeptieren, wie sie ist

und sich in den Widerspruch hinein zu entspannen.

 

Manchmal bedeutet Frieden,

eine Mauer niederzureißen, auf dass Licht hereindringe.

Manchmal bedeutet es, eine zu bauen,

damit die Dunkelheit draußen bleibt.

 

Immer jedoch fängt Frieden dort an,

wo Menschen verstehen, dass er in ihnen selbst beginnt

und auch nur dort endet.

Dass Unfrieden, Krieg und Hass da draußen

nur der große Widerhall und die große Summe

all der kleinen Friedlosigkeiten sind,

die in unseren Herzen vor sich hin schwelen und gären.

Dass die großen Lügen da draußen nur existieren,

weil wir uns immer noch selbst belügen

und uns dem Schatten verschließen, der in uns ruht.

 

Solange, bis wir ihn endlich als lebendigen Teil

unserer selbst begreifen, Verantwortung übernehmen

und ihm den Platz gewähren, der ihm so lange verwehrt wurde.

 

Dann beginnt ganz langsam Frieden.

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