Frieden

Manchmal bedeutet Frieden,
endlich das längst fällige Wort zu erheben.
Und manchmal, zu verstummen.
Nichts mehr zu erklären.
Aufzuhören mit Argumentieren.
Schweigen.

Manchmal bedeutet Frieden,
die verlogene und scheinbare Ruhe zu stören
und die Urgewalten des heiligen Zorns zu entfesseln.
Die Wahrheit herauszuschreien, die keiner hören will
und das Chaos auf den Plan zu rufen,
auf dass es die Dinge neu ordne.

Manchmal bedeutet Frieden, still zu sein
und zu verstehen, dass es vorbei ist.
Leise die Türe hinter sich zu schließen und fortzugehen,
ohne sich noch einmal umzudrehen.
Manchmal bedeutet Frieden, allein zurückzubleiben
und das auszuhalten.

Manchmal bedeutet Frieden, sich nicht mehr zu verbiegen,
auch wenn dadurch erst einmal Unfrieden entsteht.
Die anderen wütend, enttäuscht, fordernd
und zornig an die Tür klopfen zu lassen,
weil man weiß, irgendwann werden sie damit aufhören.
Die Zornigen verstehen vielleicht später einmal,
dass dieses Schweigen ein sanftes Geschenk des Friedens war.

Manchmal bedeutet Frieden, etwas zu verändern.
Neue Wege zu gehen, auch ohne die Garantie auf Sicherheit und Erfolg.
Manchmal bedeutet es, jemanden oder etwas zu lassen,
eine Situation zu akzeptieren, wie sie ist
und sich in den Widerspruch hinein zu entspannen.

Manchmal bedeutet Frieden,
eine Mauer niederzureißen, auf dass Licht hereindringe.
Manchmal bedeutet es, eine zu bauen,
damit die Dunkelheit draußen bleibt.

Immer jedoch fängt Frieden dort an,
wo Menschen verstehen, dass er in ihnen selbst beginnt
und auch nur dort endet.
Dass Unfrieden, Krieg und Hass da draußen
nur der große Widerhall und die große Summe
all der kleinen Friedlosigkeiten sind,
die in unseren Herzen vor sich hin schwelen und gären.
Dass die großen Lügen da draußen nur existieren,
weil wir uns immer noch selbst belügen
und uns dem Schatten verschließen, der in uns ruht.

So lange, bis wir ihn endlich als lebendigen Teil
unserer selbst begreifen, Verantwortung übernehmen
und ihm den Platz gewähren, der ihm so lange verwehrt wurde.

Dann beginnt ganz langsam Frieden.

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Foto: www.pixabay.com

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By | 2018-01-10T17:07:57+00:00 November 16th, 2016|Aufbruch & Neue Welt, Bewusst leben, Intuition & Echtheit, Zentrierung|4 Comments

4 Kommentare

  1. LinLa 17. Dezember 2016 um 14:55 Uhr - Antworten

    Deinen tiefsinnigen Gedanken schließe ich mich von Herzen an, liebe Andrea. Danke sehr. 🙂

    Vor eineigen Jahren entstand unter ähnlicher Thematik ein Gedicht – vielleicht mag es jemand:

    Gut UND Böse

    Er sagte, das Leben ist schön.
    Sie könne das nicht verstehn.
    Überall so viel Leid und Krieg,
    wo da die Schönheit wohl blieb?

    Den Unfrieden überwinden
    will die Menschheit von Anbeginn.
    Nur kann er nicht einfach verschwinden.
    Wo sollte er denn auch hin?

    Man kann ihn allmählich transformieren,
    Mut und Tapferkeit statt Krieg,
    den Egoismus reduzieren.
    Und dann gehört einem jeden der Sieg.

    Beginnen muss jeder vor seiner Tür,
    egal ob im Wider oder Für.
    Doch was ist eigentlich das Ominöse?
    Wir unterteilen ständig in Gut und Böse.

    Alles Liebe
    Evelin

  2. Anita 16. Dezember 2016 um 0:25 Uhr - Antworten

    Wunderschön ausgedrückt in der tiefen Wahrheit ❤️

  3. Dirk 15. Dezember 2016 um 22:28 Uhr - Antworten

    Wie jedes mal freue ich mich über die Klarheit deiner Worte. Doch nicht nur diese unverschnörkelten Worte machen diese Klarheit aus, sondern die tiefe unerschütterliche Wahrheit.
    Vielen Dank!
    Alles ist Liebe,
    Dirk

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