Menschen kommen in unser Leben, gehen wieder und immer verändert sich etwas dabei. Es gibt Begegnungen, die flüchtig sind wie der Wind und doch etwas so tief in uns anrühren, dass wir nicht mehr dieselben sind, wenn es vorbei ist. Manchmal besteht ihre Aufgabe darin, uns zum rechten Zeitpunkt an etwas zu erinnern, das tief in uns selbst schlummert. 

Sie waren einander schon ein paar Mal über den Weg gelaufen. Immer waren viele Menschen dabei gewesen, und die Orte, an denen sie sich trafen, hatten nichts Geheimes gehabt. Er war gekommen und hatte sie manchmal angesehen, und anfangs hatte sie sich ein wenig vor ihm gefürchtet. Ihre Blicke trafen sich wie aus dem Dunkel einer vergessenen Zeit, und keiner kannte den Namen des anderen. Irgendwann begann sein Blick länger auf ihr zu ruhen, zu lange, und da fühlte sie sich erkannt. Es war wie das entfernte Donnern der Brandung, welches das Herz  mit Vorfreude erfüllt, und wie der Meeresgeruch, der in der Luft liegt, noch bevor man das Wasser sehen kann. Noch ohne zu wissen, was sie da tat, begann sie, sich zu erinnern und ihre Geschichte niederzuschreiben.

Oft sahen sie sich lange Zeit nicht, und da vergaßen sie einander wieder. Wenn sie sich dann plötzlich wieder gegenüberstanden, zog es ihr den Boden unter den Füßen davon, und sie erschrak. Sie konnte die Wellen fühlen, die sie mitzureißen drohten. Sein Gesichtsausdruck blieb finster, und fast mochte sie die Hand heben und fühlen, ob seine Haut so kalt war wie sie aussah. Und ihn mit einer Berührung zum Leben erwecken. Alles was er tat, konnte auch den anderen gelten, die da waren, und tat es auch. Und all die Orte, an denen sie ihn traf, konnten auch zufällig gewählt sein, um das zu tun, was den anderen galt. Und trotzdem ergriff sie eine seltsame Unruhe, ob das, was er tat, vielleicht ihr gelten könnte. (…)

Feuer Erde Wind & Meer

Wie es in „Die Begegnung“
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Feuer, Erde, Wind & Meer

Literarische Impulse für Sinn & Seele

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