Manchmal wird meine Haut taub von der Grauheit der Tage
und die Linien in meinem Gesicht so tief,
dass ich am Spiegel etwas schneller vorübergehe.

Dann sehne ich mich nach dem dröhnenden Tosen der stillen Wälder,
nach regenbogenlauter Musik, die mir unter die kalte Haut fährt
und meine Fußsohlen zum Prickeln bringt.

Ich trete auf die Straße, gehe vorbei an Menschen, die mich nicht sehen,
deren Augen stumpf bleiben, wenn ich hineinblicke,
und ich kann es kaum fassen.

Dann möchte ich nah hingehen zu ihnen und sie flüsternd fragen,
was sie mit ihrer Sehnsucht gemacht haben,
ob sie ihnen noch manchmal in den gesträubten Nacken springt
oder woanders hin, und welche Farbe sie hat.
Wann sie am stärksten ist,
und welchen Geschmack die Momente auf ihrer Zunge hinterlassen,
in denen sie von ihr gestreift werden.

In den Geschäften, an den Kassen stehen Menschen und heben kaum den Blick,
tauschen freundlich-farblose Floskeln,
und mir wird schlecht, wenn ich die vollen Regale sehe.
Ich blicke mich um und suche mit den Augen verzweifelt
ein zweites Augenpaar, das es auch sieht,
das meinem Blick nicht ausweicht und das sich noch wundert.

Manchmal kann ich es sehen, dieses Aufblitzen
Ein kurzes warmes Leuchten, das JA sagt, ich sehe es auch.
Ein Lächeln, das mir die Mundwinkel anhebt
und mein Gesicht weit werden lässt vor Freude.

Wie diese Frau, die die anderen immer fragt, ob sie glücklich sind.
Was würdest du sagen, wenn diese fremde Frau dich einfach anspräche
und fragte: Bist du glücklich?
Und dann still wäre anstatt weiterzusprechen
und auf deine Antwort wartete.
Was würdest du sagen, wenn ich dich fragte:
Wo hast du deine Sehnsucht geparkt?

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Literarische Impulse für Sinn & Seele

von Andrea Maier

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