Spiegelspiele

Vielen Menschen scheint es derzeit ähnlich zu gehen: Während einst Beständigkeit und Stabilität natürliche Zeiterscheinungen zu sein schienen und Veränderungen sich oft nur sehr schwerfällig und allmählich vollzogen, gibt es heute gefühlt nur mehr Weniges, das über längere Zeiträume hinweg gleich bleibt. Gerade dem bewussten, achtsamen Menschen bietet jeder Tag unzählige Möglichkeiten, etwas Altes, Undienliches loszulassen und neue Ufer und Horizonte zu erforschen. Die Geschwindigkeit, mit der sogenannte Themen sich zeigen und wieder gehen, scheint sich ab einem gewissen Punkt exponentiell zu erhöhen, und die Wiederkehr der noch nicht verinnerlichten Lektionen erfolgt in immer rascheren Abfolgen.

Sind wir irgendwann zu guten Beobachtern geworden, erkennen wir sehr klar die unzähligen kleinen und großen Spiegelungen, die unsere noch unentdeckten oder unheilen Bewusstseinsaspekte im Außen produzieren. Die intensivsten Erfahrungen machen wir dabei oft mit unseren Liebsten, den Partnern und Kindern, gerne auch mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten – wunderbare Protagonisten für Spiegelspiele jeglicher Art! Es ist nichts Neues, dass gerade die ungenährten, ungesehenen, ungelebten oder verletzten Kindesanteile in uns selbst es sind, die unser Denken, Fühlen und Handeln aus dem Dunkel der Verdrängung heraus am stärksten manipulieren, wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind. Unsere Spiegelpartner führen uns dabei manchmal in ihrem Verhalten genau das vor Augen oder triggern bei uns genau jene Emotionen an, die wir – meist aus der Not heraus – irgendwann unterdrücken und abspalten mussten, um uns zu schützen oder gar überleben zu können.

Zugegebenermaßen kann eine Spiegelkonstellation gelegentlich recht knifflig und nicht auf den ersten Blick entschlüsselbar scheinen. Gerade in brodelnden zwischenmenschlichen Kisten lohnt es sich jedoch immer, auch mal die Schleife vom Gegenüber zu sich selbst zurück zu ziehen und hineinzuspüren, wo die intensive Emotion tatsächlich herkommt, die uns da gerade das Leben schwer macht und warum wir mit dem Verhalten des Anderen gerade so stark in Resonanz gehen. Die Spiegelspielvariationen sind sehr facettenreich und darum so interessant.

Glücklicherweise erleben wir nun eine Zeitqualität, die es uns immer einfacher macht, diese Anteile (blinde Passagiere unseres Bewusstseins) als Spiegelungen in unserem alltäglichen Leben deutlicher zu erkennen. Dies ist die Innenschau, die sich gleichzeitig aufmerksam den Reflexionen widmet – den angenehmen und den unangenehmen – mit denen wir unser Leben gestalten. Für die sprichwörtliche Reise zu uns selbst stehen mittlerweile so viele ‚Werkzeuge‘ der Bewusstseinsarbeit zur Verfügung, dass quasi für jeden Typ und Geschmack etwas dabei ist.

Zudem ist das Leben durch das Gesetz von Anziehung und Resonanz perfekt orchestriert, sodass wir auf dieser Reise viele Gelegenheiten bekommen, um jedes Winkelchen unserer Seele auszuleuchten. Keine Erfahrungsqualität wird vergessen, kein Teilaspekt des Ganzen kann verlorengehen. Einzig das wachsame, möglichst neutrale Auge des Beobachters ist gefragt. Die Schatten zeigen sich unweigerlich dem Licht und die unbewussten Muster wiederholen sich so lange, bis wir die selbstgemachten Projektionen erkennen, ihrem Ursprung endlich auf den Grund gehen und den Widerstand dagegen aufgeben, dass dieser Ursprung meist in uns selbst liegt.

Sobald wir an den Punkt gelangt sind, die Reflexionen unserer Schattenanteile (und natürlich auch der lichten) im Außen zu erkennen und die volle Verantwortung für die Qualität unserer Erfahrungen zu übernehmen, können wir beginnen, konstruktiv mit unseren verschütteten Anteilen zu arbeiten, um sie aus ihrem Schattendasein zu erlösen. Über die Zeit harmonisiert sich dann unser Umfeld (Geduld…) und wir entwickeln die emotionale Stabilität und Reife eines Menschen, der in der Interaktion mit Anderen den gelegentlich notwendigen, klärenden Effekt von Spiegelspielen durchaus zu schätzen weiß – selbst wenn sie manchmal unangenehmer Natur sind.

DSCN2285_PH_RT_klIn diesem und auch in jedem anderen Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen eine harmonisierende und aufschlussreiche Zeit!

Die WortMalerin

www.wortmalereien.com

Titelbild: www.pixabay.com

By | 2017-11-11T12:13:26+00:00 Januar 30th, 2016|Bewusst leben, Intuition & Echtheit, Selbstliebe|2 Comments

2 Kommentare

  1. LinLa 4. September 2016 um 18:19 Uhr - Antworten

    Wieder eins meiner Gedichte. Ich finde das passt ganz gut zu Deiner Betrachtung, liebe Andrea … 😉

    Grüßchen
    Evelin

    SpiegelBilder

    Du bist ich und ich bin du?
    Machen wir doch die Augen zu
    und spielen ein wenig Blindekuh.

    Nun können wir uns drüber freun,
    endlich aufzusitzen dem Schein,
    beim in den Spiegel schaun hinein.

    Du zeigst mir, was ich nicht habe
    und zugleich auch meine Gabe.
    Niemand ist nur Schwarzer Rabe.

    Jetzt zeig ich dir mein Hinweisschild.
    Du schüttelst mit dem Kopf wie wild?
    Aber ich bin doch nur dein Spiegelbild!

    • Andrea Maier 29. September 2016 um 5:11 Uhr - Antworten

      Ja, genau so ist es, liebe Evelin… Danke für diese schöne Wortspielerei! 🙂

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