Tief im Schoße der Großen Mutter lag er, Gono, stumm und blind, und harrte der Dinge. Er konnte nicht viel fühlen außer der Starre, die ihn umgab, und selbst die hätte er nicht zu benennen vermocht. Er wusste nichts über das Leben und nur wenig über sich selbst. Da er weder spürte, wo sein Körper anfing noch wo er aufhörte, hatte er keine Vorstellung von seiner Größe. Meist war er einfach nur da und verbrachte dieses Dasein damit, zu schlafen. Und doch hatte er dann und wann eine schwache Ahnung von etwas Machtvollem, etwas Großem. Nur dass er sich dabei keinen Begriff davon machte, ob dieses Große etwas innerhalb oder außerhalb seiner selbst war. Er war nicht allein, doch das bemerkte er nicht. Die Lebensformen in seiner Umgebung riefen ihn beim Namen, aber er verstand nicht. Er hatte ja keine Ahnung, dass er einen Namen hatte. Wie viele der kleinen und großen Lebewesen, die hier in Kälte und Finsternis zusammen lebten, wären gern seine Spielgefährten gewesen. Hätte er zu spielen vermocht. Und so blieb er reglos und verschlief Äonen.

Er träumte manchmal, erinnerte sich aber kaum daran. Nur selten folgte ihm ein Abglanz seiner Träume von Farben und Formen in sein Dämmerdasein zwischen den Schläfchen. Sein Geist konnte diese einfach nicht lange genug festhalten, um daraus Begriffe zu formen. Als eines Jahrtausends dieses „Andere” begann, wusste er nichts Rechtes damit anzufangen. Da war etwas, und über die Existenz dieses Etwas wurde er sich auch seiner eigenen Existenz mehr und mehr bewusst. Die Erkenntnis, dass da noch etwas außer ihm war, löste zunächst Erstaunen in ihm aus.  Und dieses brachte eine völlig neue Qualität in sein Dasein. Es war wie ein erstes Aufhorchen. Gono richtete seine Aufmerksamkeit darauf, so gut es eben ging. Es fiel ihm nicht leicht nach der langen Zeit des Dahindämmerns.

Nachdem er dem Erstaunen genügend Aufmerksamkeit geschenkt hatte, wandte er sich wieder dem Anderen zu. Was war es nur? (…)

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