Du erkennst sie am freundlichen Schimmer ihrer Aura,
wie zerstäubtes Perlmutt, unaufdringlich und sanft.
Sie sind still.
Du siehst sie oft, aber hörst sie kaum,
weil sie selten über sich selbst sprechen,
sondern gern zuhören,
während ihr warmglänzender Blick dich ruhig betrachtet.
Und bist du die Laute, die Redselige, die Kühne,
werden sie dich insgeheim vielleicht bewundern, beneiden
für deinen Mut und deine Kraft.

Sie sind die Stillen,
die zartwarmen Töne neben den kühlen Prachtfarben eines Gemäldes,
oft übersehen und sich ihrer Bedeutung, ihrer Macht viel zu wenig bewusst.
Oft sind es sie, die durch sanftmütige Zurückhaltung
den lauten, kraftvollen Papageienfederdamen
eine wohlwollende Bühne geben
und manchmal sogar Halt, wenn diese straucheln,
weil sich der hochhackige Schuh im Flittergewand verhakt hat.

Sie sind es, die sich oft einer Meinung enthalten,
wenn der Rest der Welt die ihre bereits gefällt hat
und sie lautstark kundtut.
Ihr bedächtiges und mildes Schweigen tut wohl
und gibt den sicht- und fühlbaren Kontrast,
den die Seele sucht, der alles ein wenig zu viel geworden ist.

Wenn sie nur wüssten, diese lieben Stillen,
wie heilsam ihre warmherzige Gegenwart ist,
einfach nur dadurch, dass sie da sind
und den Weg mit einem gehen,
schweigend in der Nähe stehen,
und weil ihre Präsenz die Welt um so vieles zärtlicher macht,
selbst wenn sie schweigen.

Sie sprechen mit leiser Stimme,
doch sind sie nicht wirklich schüchtern.
Hinter einer Fassade von scheuer, echter Freundlichkeit
verbirgt sich die Kraft einer Bärenmutter
und die tiefgründige Schönheit des Herzens,
die sich in ihrem Gesicht besonders dann zeigt,
wenn ihr bezauberndes Lächeln
die Müdigkeitsfältchen verschwinden lässt.

Oft sind es sie, die Stillen,
die dir das rechte Wort zur rechten Zeit schenken,
das Ja, die Bestätigung,
nach der du dich insgeheim so sehnst
(auch wenn du weißt, du solltest nicht),
weil Neid und Missgunst ihnen so fremd ist
wie der Sonne die Nacht
und ihre Seele immerzu die kindliche Freude
am Schönsinn zelebriert.

Ich danke den stillen Frauen,
die mit ihren sanften Herzfarbtönen
und ihrer leisen Stimme
unserer grell-schrägen Zwölftonwelt
ihre zartglimmenden Spuren aufdrücken.
Spuren, die selbst in dunkelster Nacht weithin sichtbar bleiben,
liebevolle Wegweiser auf dem Pfad unseres Lebens.

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