Wenn du bei deinem schönen Geliebten ruhst,
die Hand auf seinem weiten Herzen, sanft euer Atem,
und eine stille, tiefe Freude,
die man Liebe nennt,
ihre zartfließenden Kreise um euch zieht,
über die Grenzen von Herz und Körper weit hinaus,
lautlos und ganz von selbst,
während vielleicht eine Träne die Kontur deines Gesichtes küsst,
weil die Wärme so wohltut und du einfach nichts mehr brauchst,
weil alles da ist wo du bist,
und die Liebe, in der du treibst, auf einmal überall ist
und keine Richtung mehr sucht,
keinen Namen mehr hat,
auch nicht den deines schönen Geliebten,
sondern die Namen aller deiner Geliebten,
deiner Kinder,
deines Vaters,
deiner Mutter,
deiner früheren Gefährten,
all der Männer und Frauen auf deinem Weg,
die du geliebt, mit denen du gekämpft, die du gesucht, verloren,
über die du geweint und gelacht,
die du gefunden und wieder verlassen hast –
wenn du dann spürst,
wie all diese namenlosen Geliebten eins werden
in jener überbordenden, stillen Liebe, in der du gerade badest,
dann fühlst du vielleicht die sich auflösenden Grenzen,
das verschwimmende Damals, Heute und Morgen,
welche alles Erlebte gleichgültig werden lassen
im wahrsten Sinne des Wortes,
weil alles in das eine verbindende, ewig geltende Element mündet,
die Liebe,
in die du gerade eintauchst
und die du trinkst wie das warme Fruchtwasser,
aus dem du geboren bist.
Und dann, in der duftenden Nähe deines Geliebten, siehst du vielleicht,
dass du selbst nichts anderes bist als eben diese Liebe,
eben diese Wärme,
eben dieses Ja,
dieses stille Ja,
das allein jeden Kampf beendet und alle Trennung überwindet,
jeden Schmerz verebben lässt
und die Antwort auf jede Frage gibt,
die du jemals gestellt,
sowie den Frieden schenkt,
nach dem du überall gesucht hast.
Überall, außer in dir selbst.

 

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