Manchmal möchte ich ein Wanderer sein,
frei, alle Länder und Meere zu bereisen
und doch fest verwurzelt bleiben in der Heimat.
Weder fremd noch verloren ist dieser Wanderer,
denn er trägt seinen Anker im Herzen.

Wild wie das schäumende Flusswasser möchte ich sein,
Kraft, die sich in alles ergießt und verströmt,
ohne irgendwo jemals anzuhalten,
und gleichzeitig das sanft geformte Flussbett,
das stoisch die Wellen hält und führt,
gleichmütig und unbeeindruckbar.

Stetig erneuern möchte ich mich wie dieses Wasser,
das in jedem Augenblick anders ist,
und dennoch – in mir ruhend – immer gleich bleiben.
Denn was ist das Wasser ohne die Erde,
in deren Hohlheit es rinnen kann,
und die Erde ohne die Reibung des Stromes an ihr?
Sie sind untrennbar eins.

Ich möchte mich nicht sorgen um das, was kommt,
und nicht auf jenes zurückschielen, was einmal war.
Arm an Gedanken möchte ich sein, leer an Erwartung.
Und gleichzeitig erfüllt von der Kostbarkeit des Moments
und dem reichen Wissen um die Entfaltung seiner Magie.

Vielleicht liegt das Geheimnis des Glücks ja darin,
das Entweder mit dem Oder zu vermählen,
die Gleichwertigkeit der Gegensätze zu feiern
und die Spannung des Widerspruchs zu lösen,
indem Sowohl und Als Auch ihn sanft in ihre Mitte nehmen.

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Titelbild: www.pixabay.com

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