Das Tier war müde. Es war schon zu lange hier gewesen, hier in seiner felsigen Erdhöhle mit dem Gitter davor. Die da draußen hatten den kleinen Schlupf geöffnet und riefen nach ihm. Wollten, dass es raus kam, raus ans Licht. Aber es mochte nicht. Es hob nur gelangweilt seinen Kopf, blinzelte hinüber ins Helle und machte es sich dann wieder auf seinen Tatzen gemütlich. Hier im Schatten der Höhle, im hintersten Winkel, da fühlte es sich wohler. Was sollte es draußen im grellen Licht, sich begaffen lassen? Nein, hier war es gut. Hier war es allein.

Das Tier war schon so lange hier gefangen. Manchmal war es einsam, dann drückte es sich etwas gegen die Gitterstäbe, aber nur etwas. Es streckte eine seiner befellten Tatzen hinaus, um die Luft draußen zu fühlen. Aber nur, wenn es Nacht war. Wenn niemand es beobachten konnte. Wenn niemand bemerken konnte, dass es ja eigentlich hinaus wollte. Dann spürte es einen sachten Windhauch, der ihm das Fell auf seinen Tatzen kräuselte. Das war ein seltsames Gefühl, schaurig und schön. Hier in der Höhle war es stets windstill, und es gab nichts, das ihm in den Pelz fahren, ihm vielleicht sogar eine Gänsehaut verschaffen konnte.

Das war eigentlich gut so. Eigentlich. Denn ganz sicher war sich das Tier da auch nicht immer. Es tat schon ungewohnt wohl, diese leichte Brise im Fell zu spüren, wie eine Vorahnung, wie ein Versprechen fühlte sie sich an. Was würde geschehen, gäbe das Tier noch größere Partien seines Körpers dieser Brise preis? (…)

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