Weitgereiste Erdenseele, wie siehst du das alles eigentlich?

Hättest du nicht lieber deine Ruhe vor uns Menschenkäfern,

die auf dir umherkrabbeln und dich benagen wie nimmersatte Termiten?

Altehrwürdiges Wesen, du hast so viel mehr erlebt als wir.

Hast bereits Zeitenräume durchwandert,

die sich unsereins mit dem kleinen Termitengehirn kaum ausmalen kann.

Du weißt, wie es wirklich war, damals ganz am Anfang,

während unsere Gelehrten sich heut noch darüber in den Haaren liegen,

wie du wohl entstanden sein magst.

Was hat dich dazu gebracht, diese einzigartige Form anzunehmen,

von der man gewiss noch in den entferntesten Galaxien spricht?

Und nun, in den letzten paar Erdenminuten – so sagen sie –

erscheinen wir Menschen auf dir und gebärden uns wie Größenwahnsinnige.

Krümmst du dich manchmal unter den Schmerzen, die wir dir zufügen?

Oder erträgst du uns geduldig, weil du mehr weißt als wir?

Fühlst du dich bedroht durch die Ausgeburten unserer Kreativität?

Oder lächelst du still in dich hinein, wohl wissend,

dass nichts dich wirklich zerstören kann, auch nicht unser Termitengeschlecht?

Wähnst du dich allein auf deiner äonenlangen Fahrt,

verlassen von allen guten Geistern,

oder schmiegst du dich vertrauensvoll in die Hand von etwas

Größerem, Weiterem, Unendlicherem,

als unsere Vorstellung es jemals erfassen könnte?

Lässt dich halten und schöpfst Zuversicht aus dem Wissen,

du bist auf deiner Lebensreise doch irgendwie geborgen?

 

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